“Marie”
filed in Allgemeines on Dez.24, 2011
Darf ich vorstellen das ist Marie
Niemand ist so klug und lieb wie sie
Unter dem Bett steht die Kiste von Marie
Und was sich in ihr befindet erratet ihr nie
Marie ist 17 Jahre alt und öfters mal nervös.
Dann kratzt sie sich immer überall am ganzen Körper.
Aber Marie ist so klug.
Sie kann erstaunlich viele Dinge wie zum Beispiel Klavierspielen.
Sie spielt sehr gerne und das stundenlang
Und wenn ihre Eltern mal länger nicht zu Hause sind auch mal die ganze Nacht.
Sie bewohnt ein kleines Zimmer im ersten Stock
In dem großen Haus ihrer Eltern.
Maries Eltern sind reich.
Ihrem Vater gehört eine große Firma
In welcher auch ihre Mutter arbeitet.
Sehen tut sie die beiden selten
Und deshalb spielt sie auch oft durch die ganze Nacht Klavier.
In Maries Zimmer steht neben dem Bett ein Schreibtisch.
Und neben dem Schreibtisch steht ihr Kleiderschrank.
In Maries Kleiderschrank befinden sich viele schwarze Sachen.
Sie trägt gerne schwarz,
Vor allem ihren schwarzen langen Kapuzenpullover.
Man sieht sie selten ohne diesen
Und wenn sie ihn mal nicht anhat,
trägt sie eine ebenso schwarze Lederjacke.
Marie ist gut in der Schule.
Sie ist gerade dabei ihr Abitur zu machen
Und sie ist fest davon überzeugt es zu schaffen.
Wenn sie nicht gerade Klavier spielt lernt sie
Und das konsequent.
Zeit für Freunde hat Marie nicht,
Denn nichts ist wichtiger als der Erfolg, wie ihr Vater immer sagt.
Die Lehrer mögen sie,
Weil sie so fleißig, nett und engagiert ist.
Am meisten wird Marie von der Musiklehrerin gemocht,
Weil sie so wunderschön Klavier spielen kann.
Sie spielt gerne eigene Lieder
Und deren Melodien sind so schön,
Dass sie einem die Tränen in die Augen treiben.
Man konnte schon öfters beobachten,
Wie bei ihr selbst die Tränen beim Spielen rollten,
So schön sind ihre Melodien.
Marie weint oft, so viel wie sie spielt,
Aber auch wenn sie es mal nicht tut,
Wenn ihre Eltern mal doch zu Hause sind
Hört man nachts ein Schluchzen durch die Flure hallen.
Dann öffnet sie die Kiste unter ihrem Bett,
Auf dem sie immer träumt von schönen Melodien,
Welches mit einem strahlend weißen Laken bespannt ist,
Und sorgt mit ihr für den Trost ihrer Seele.
Das hilft auch immer, muss es ja
Denn sonst niemand ist ja für sie da.
Marie hat ja keine Zeit für Freunde
Brauch sie auch nicht denn sie hat ja keine
Und das obwohl sie doch so lieb und nett ist.
Aber das verstehen die anderen ja nicht
Und Marie versteht nicht, wieso sie das nicht verstehen
Sie kann doch so wunderbar Klavier spielen.
Ja, aber sie spielt nicht vor anderen Schülern,
Weil diese sie ja sonst weinen sehen würden
Und das will sie nicht.
Alle lachen sie aus, weil sie immer schweigt und nie etwas von sich aus sagt
Und wenn sie es doch mal tut, lachen sie nurnoch mehr,
Weil sie es nicht verstehen und nicht begreifen,
Dass dieses kleine zierliche Mädchen
Mit einem Satz mehr sagen kann,
Als die anderen in ihrem ganzen Leben.
Sie lachen auch immer, weil sie Sommer wie Winter
Immer nur lange Kleidung trägt
Und sie behaupten immer sie würde sich nicht waschen,
Weil sie sich immer überall kratzt.
Doch was ist nur so falsch an Marie,
Dass man so mit ihr umgeht?
Sie weiß es nicht, sie vermutet nur.
Sie meint es wäre sie selbst generell.
Sie denkt sie ist mit ihrem Körper bestraft.
Sie findet sich fett, hässlich und ekelhaft
Und deswegen kratzt sie sich immer überall,
Deswegen trägt sie nur lange Sachen:
Sie hat es ihm nämlich heimgezahlt,
Ihrem vermeintlich ach so hässlichen Körper.
Und jetzt ist ihr es endgültig zu viel.
Sie will es nichtmehr hören dieses Gelächter,
Sie will diesen Spott nichtmehr ertragen müssen,
Also greift sie wie so oft zur Kiste unter dem Bett.
Nur dieses Mal wird es das letzte Mal sein.
Sie krempelt die Ärmel ihres langen Kapuzenpullovers hoch
Und schenkt ihren Armen eine letzte tiefe Wunde,
Die mal die größte, längste und schönste Narbe
Auf ihrem bereits verstümmelten Körper sein wird.
Das Blut, das aus der Wunde tritt,
Hinterlässt beim herunterlaufen in Maries Augen
Ein schönes, beruhigendes Bild der Erlösung, bis es schließlich
Ihr strahlend weißes Bettlaken befleckt,
welches Marie nun nie mehr selbständig verlassen wird.
Darf ich vorstellen das ist Marie
Und was nun in ihrer Kiste ist erfahrt ihr nie
Denn niemand wollte sie
Und nun träumt sie ein letztes Mal von einer schönen Melodie
Moritz Zammert
Frohe Weihnachten
MoMo